Klima-Spaziergang der LOK

Oberursel, 07.06.2026. Wie wird eine Stadt klimaneutral? Wo lauern im urbanen Raum Hitzeinseln und wo gibt es bereits clevere Lösungen? Um diese Fragen drehte sich ein ebenso informativer wie geselliger Stadtspaziergang im Rahmen der Taunus Klimatage, zu dem die Lokale Oberurseler Klimainitiative (LOK) e. V. eingeladen hatte. Dass das Thema den Nerv der Zeit trifft, zeigte sich schon am Startpunkt: 23 interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich im OrschelGarten zusammengefunden.

Angeführt wurde die Gruppe von Werner Vogt, der die Runde begrüßte und kurz die Ziele der LOK vorstellte. „Oberursel hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt!“, erklärte er. „Klimaneutralität bis zum Jahr 2045″. Doch wie genau soll das gelingen, und wer behält dabei den Überblick? Judith Kreuzer, Klimaschutzmanagerin der Stadt Oberursel, lieferte hierzu einen praktischen Tipp: Auf der städtischen Website finden sich unter „Jahresbericht Klima“ bereits konkrete Daten und Fakten zum aktuellen Stand des Klimaschutzes in Oberursel. Doch auch diese zeigen: bis dahin müssen noch viele Schritte gegangen werden.

Lichtblicke, Parkplatz-Frust und eine grüne Oase

Ein echter Erfolg auf dem Weg zur Klimaneutralität ist bereits sichtbar – oder vielmehr unsichtbar: Die Stadtbeleuchtung wurde nahezu komplett auf moderne LED-Technik umgestellt, was den Verbrauch um fast 75 Prozent reduziert hat.

Weniger leuchtend fiel der Blick auf die Oberflächengestaltung der Innenstadt aus. Das Thema Entsiegelung stand angesichts zunehmender Starkregenereignisse ganz oben auf der Agenda. Kritik gab es in diesem Zuge unter anderem am Berlebachplatz: Warum wird ein potenziell so schöner, zentraler Ort für gerade einmal 20 Parkplätze „geopfert“, wo sich doch ein Parkhaus in direkter Nachbarschaft befindet?

Weiter ging es am St. Barbara-Brunnen vorbei zu einem Highlight privater Stadtökologie: „Ich nenne es eine ökologische Multifunktionswand.“, sagte Werner Vogt über eine mit wildem Wein und Efeu begrünte Hausfassade. Diese sorgt nicht nur für spürbare Abkühlung und filtert die Luft, sondern dient auch als wertvoller Lebensraum für Insekten und den Haussperling.

Bürgerengagement contra Bürokratie

Wie viel Herzblut – und Geduld – in privaten Klimaprojekten stecken kann, berichtete Thomas Studanski beim Stopp am Oberurseler Brauhaus. Er schaffte es, eine Photovoltaikanlage auf dem Brauhausdach zu realisieren, wofür zeitweise sogar der direkte Kontakt zum ehemaligen hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir nötig war. Die Anlage liefert nun rund 20 Megawattstunden (MWh) Solarstrom pro Jahr. Ein toller Erfolg, auch wenn der Verbrauch des Brauhauses immer noch zehnmal so hoch ist.

Wärmepumpe im Altbau

Einen weiteren Klimapunkt ließ sich die Gruppe vor dem Haus von Claudia und Christoph Fedler zeigen. Die beiden haben in ihrem Altbau eine Wärmepumpe installiert. Ohne zusätzliche Dämmung, ohne Fußbodenheizung und sie sind sehr zufrieden damit. Einen Teil der nötigen Energie für die Wärmepumpe liefert die Photovoltaikanlage auf dem Dach. Und scheint die Sonne mal nicht, kommen bis zu 15 kWh Strom aus der Batterie im Keller.

Kleine Entdeckungen

Dass Klimaschutz und Natur nah beieinanderliegen, bewies Insektenexperte Klaus Dühr. Am Wegesrand entdeckte er unter anderem einen Zottigen Bienenkäfer und begeisterte die Gruppe mit spontanen Einblicken in die lokale Biodiversität. Kein Wunder also, dass die Uhrzeit schnell in den Hintergrund rückte: Geplant war der Weg für rund eine Stunde, am Ende war die Gruppe weit mehr als zwei Stunden lang unterwegs.

Neuer Klimapunkt – Stadtbäume

Die letzte Station führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Liebfrauenkirche, wo ein von der LOK-Stadtbäumegruppe gepflanzter Baum – eine Blutbuche – als neuer Klimapunkt ausgezeichnet wurde. Von dort aus ging es zurück zum Ausgangspunkt im OrschelGarten. Bei selbstgebackenem Kuchen, frischem Brot und Spundekäs ließen die Teilnehmer den Nachmittag ausklingen – und die Diskussionen über Oberursels grüne Zukunft gingen noch lange weiter.

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